Erfahrungen und Erlebnisse in Irland, Dublin (Teil I)

Am 29. September 01 sind meine Schwester, ein Freund und ich nach Dublin gefahren, um an den Aktivitäten zur Freilassung des in China zu Unrecht inhaftierten Falun Gong Praktizierenden und in Irland studierenden Praktizierenden Zhao Ming teilzunehmen. Am Flughafen wurden wir von einem irischen Praktizierenden, der erst seit einigen Monaten Falun Gong lernt, abgeholt. Daraufhin fuhren wir direkt zum Informationsstand in der Innenstadt, wo schon seit morgens einige wenige Praktizierende aus ganz Europa und auch den USA die Übungen vorführten und Informationsmaterialien verteilten. Wie immer begrüßten wir uns herzlich und freuten uns die verschiedenen Gesichter wiederzusehen und machten dann die Übungen oder verteilten Zettel. Die Atmosphäre war trotz der belebten Fußgängerpassage sehr harmonisch und es viel leicht in die Meditation einzutreten. Nach und nach wurden wir immer mehr, so dass einige von uns noch zu einem anderen Ort gingen, um Zettel zu verteilen. Was auffällig an Dublin ist, sind die vielen jungen Menschen, die oftmals schon Kinder haben. Insgesamt sind die Menschen sehr viel aufgeschlossener. Kaum einer lehnte die Informationszettel ab, sondern ganz im Gegenteil nahmen sie die Zettel und lasen sie sich durch, selbst der Türsteher eines Pubs, ein ziemlich großer und kräftiger, fast schon unfreundlich drein guckender Mann, hielt mich an und fragte, worum es ginge. Ich bereute mein Vorurteil und war berührt von seinem ernsthaften Interesse für die Situation der chinesischen Praktizierenden und der Anteilnahme des irischen Volkes.

Am anderen Platz unterhielt ich mich mit drei Jungen, die vielleicht um die 18 Jahre alt waren. Sie waren arbeitslos und machten sich über die Übungen und Falun Gong lustig. Ich ging zu ihnen hin, weil ich wusste, dass es keine böse Absicht von ihnen war und erzählte ihnen von Falun Gong. Sie interessierten sich sehr für die Grundsätze, jedoch stellte ich ziemlich bald fest, dass sie eine andere Einstellung zum Leben hatten. Bei ihnen drehte es sich lediglich um Schlagen, Treten, Kämpfen, Saufen und das Leben genießen. Engländer und Punks waren alles ihre Feinde. Sie sagten mir, wenn dich jemand schlägt, musst du dich wehren. Ich sagte ihnen, dass wir Praktizierende nicht schlagen, wenn wir geschlagen werden und nicht schimpfen, wenn wir beschimpft werden. Das hat sie so erschüttert, dass sie mich immer wieder fragten, warum wir das so machen. Wir seien doch dumm, wenn wir uns das gefallen ließen. Ich sagte ihnen, dass wir Frieden wollen und man das nur erreichen kann, wenn man selbst Teil des Friedens ist. Die höchsten Werte des Falun Gong sind eben Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht. Ihr Weltbild bestand nur aus Feinden, ich erklärten ihnen, dass wir Praktizierende keine Feinde haben und dass unsere aufrichtige Gesinnung auf die anderen Menschen wirkt. Da sie sich immer noch nicht zufrieden geben wollten, erklärte ich ihnen, dass man Karma (schwarze Substanz in anderen Zeit-Räumen) schafft, wenn man anderen absichtlich schadet und dass man zwar scheinbar unbeschadet davon kommen kann, dass es aber natürliche Gesetzmäßigkeiten im Kosmos gibt, die alle unsere Taten sehen können und wir dafür Vergeltung bekommen. Mit einer feindseligen Gesinnung schafft man eben viele Probleme, Streit und Feinde, mit einer aufrichtigen Gesinnung schafft man ein harmonisches Umfeld und kann Schwierigkeiten leicht überwinden. Man sucht die Schuld nicht beim anderen, sondern ist auch in der Lage, bei sich selbst nachzuschauen, was man falsch gemacht hat und in welcher Hinsicht man sich verbessern kann. Diese Fähigkeit macht es auch dem anderen leichter, seine Fehler einzugestehen. Beim Gespräch konnte ich bemerken, dass sich diese drei Jungen immer mehr entspannten und ihren Kampfgeist allmählich losließen. Dennoch war es teilweise schwierig, manchmal redeten sie zu dritt auf mich ein, so dass ich gar nicht wusste, wo ich zuerst drauf antworten sollte. Als dann wieder ein paar Engländer vorbeikamen, schimpften sie nicht mehr so laut hinter ihnen her. Ich sagte nur, was kümmert es euch, was die denken, lohnt es sich deshalb, sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Wenn ihr nicht darauf eingeht, werden sie schnell die Lust am Streit verlieren. Einer von ihnen war richtig berührt. Ich sah, dass er gerne die Übungen lernen wollte, er aber sich vor seinen Freunden nicht recht traute. Als der eine von ihnen dann wieder mal losschimpfte, fuhr er ihn an und sagte zu ihm: „Lass das! Das ist nicht richtig [zu schimpfen] und bat mich weiter zu sprechen.“ Insgesamt haben wir uns mindestens eine Stunde lang unterhalten. Als ein weiterer Freund kam, erzählten sie erst mal über Falun Gong. Sie standen zu viert im Kreis und lachten zufrieden. Da habe ich die Kraft der drei Grundsätze gespürt und gesehen, die selbst das Herz von solchen Rabauken berühren kann und sie zum nachdenken bringt.

Am Abend haben wir an einer befahrenen Hauptstraße in Dublin eine Mahnwache mit Kerzen für die ermordeten Praktizierenden abgehalten. Wir saßen auf Isomatten oder direkt auf dem Boden und hielten schön geschmückte Fotos der Praktizierenden in den Händen. Die Stimmung war andächtig und wir schwiegen. Einige Praktizierende bemühten sich Kerzen für uns anzuzünden, die immer wieder durch den Wind ausgeblasen wurden und ein kleiner Junge, der uns sah, half beim Kerzenanzünden. Busse und Autos hielten direkt vor uns an und die Menschen schauten interessiert heraus. Danach fuhren wir nach Hause.

Am nächsten Tag versammelten wir uns ca. 40-50 Personen vor der Universität, an der Zhao Ming jetzt immer noch studieren würde, wäre er nicht in China im Arbeitslager gefangen. Für den Vormittag war geplant, erst einmal Übungen zu machen und dann eine öffentliche Kundegebung zu der ca. fünf Persönlichkeiten, darunter ein Politiker aus UK, ein Graf, eine Frau von Amnesty International, eine von der Studentenvereinigung der Universität und noch ein weiterer Redner, die uns mit ihren Beiträgen kräftig unterstützten.

Der Graf, dessen Frau ebenfalls Falun Gong lernte, hielt als erster schwungvoll eine Rede. Obwohl das Mikrophon immer wieder knarrende und quietschende Geräusche von sich gab, ließ er sich nicht beirren und sprach wirklich von Herzen und verurteilte mit Nachdruck die Verbrechen der chinesischen Regierung. Noch ergreifender war als er die Grundsätze des Falun Gong in seiner Rede erwähnte und den Geist von Falun Gong lobte. Er sprach davon, dass Nachsicht viele Gesichter hat, wie Rücksicht, Toleranz, Verständnis füreinander usw. und dass es für die Menschen nur Vorteile berge und für die Gesellschaft förderlich sei. Derweil nahm seine Frau ein ziemlich großes Poster von Zhao Ming und hielt es vor ihren Körper und Gesicht, so dass man sie kaum mehr sah und stellte sich auf einen Steinsockel und drehte sich langsam und unaufhörlich. Als ich das von der Oberfläche her beurteilte, fand ich das erst reichlich merkwürdig und fragte mich, wie das wohl auf die anderen wirke. Bald aber merkte ich, dass es eine Anschauung war, die ich mir im Laufe meines Lebens gebildet hatte und konnte ihre wahre Gesinnung sehen. Mir wurde klar, dass sie den Menschen Zhao Ming zeigen wollte und dabei sich selbst und wie sie dabei aussehen würde, einfach völlig vergaß. Auch die Zuhörer fanden es ganz normal. Im Laufe der paar Tage, habe ich viel von der Offenheit und Unbefangenheit der Irländer gelernt.

Eine Praktizierende aus Deutschland


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