Sogar hochrangiger Politiker konnte seinem Falun Gong ausübenden Schulfreund vor Verfolgung nicht schützen
 

Sogar hochrangiger Politiker konnte seinem Falun Gong ausübenden Schulfreund vor Verfolgung nicht schützen

Es ist 17 Jahre her, dass die Kommunistische Partei Chinas die schicksalhafte Entscheidung traf, Falun Gong, eine der populärsten Meditationspraktik Chinas, zu beseitigen.

Es wurde ein Interview mit Luo Mulian, der Ehefrau eines Falun Gong praktizierenden Schulkameraden von Chinas ehemaligem Staatsoberhaupt Hu Jintao geführt. Darin zeigt sie auf, wie die Anti-Falun-Gong-Kampagne in das Leben vieler Chinesen eingriff und sogar den politischen Führer selbst in seine Schranken wies.

Hu Jintao schien, obwohl er damals Generalsekretär der Kommunistischen Partei war, nicht in der Lage gewesen zu sein, seinen ehemaligen Schulkameraden vor der Verfolgung zu schützen. Die Verfolgung war von seinem unmittelbaren Vorgänger Jiang Zemin angeordnet worden, einige Jahre bevor er selber an die Macht kam. Jiang Zemins Entscheidung aus dem Jahr 1999, Falun Gong zu verfolgen, kam aus seiner persönlichen Motivation und war deshalb bei der obersten Parteiführung höchst umstritten.

Luo Muluan und Zhang Mengye in China. (Mit freundlicher Genehmigung von Luo Muluan)

Luo Muluan, der Archetyp einer chinesischen Dame, mit lockigen Haaren und einer großen Sonnenbrille, erzählte, was sie und ihr verstorbener Ehemann Zhang Mengye damals erlebt hatten, von Begegnungen mit Hu Jintao und seiner Frau Liu Yongqing bei deren Klassentreffen. Heute lebt Frau Luo in Brooklyn und besucht das örtliche Chinatown aus freiwilligem Engagement. Dort ermutigt sie ihre Landsleute, aus der kommunistischen Partei auszutreten, die sie und ihren Mann einst aus ihrer Heimat vertrieben hatte.

Endlich seid ihr da!“

Im April 1995 wurden Zhang Mengye und Luo Muluan vor den Toren der Tsinghua-Universität in Peking - auch „Chinas MIT" genannt - von Zhangs Klassenkameraden herzlich empfangen.

„Endlich bist du hier, wir können uns endlich mit dir treffen", erinnert sich Luo an die Worte von Zhangs Klassenkameraden. Es war seit drei Jahrzehnten das erste Mal, dass sie ihn wiedersahen.

Seit seiner Schulzeit litt Zhang an chronischen Leberproblemen. Nach Abschluss seines Studiums blieb er dünn, zerbrechlich und war manchmal dem Tod sehr nahe. Zhangs schlechter Gesundheitszustand hatte ihn all die Jahre daran gehindert, seine Heimatprovinz Guangdong in Südchina zu verlassen, um an den Klassentreffen in Peking teilzunehmen.

In den frühen 1990er Jahren probierte Zhang Qigong aus - eine traditionelle chinesische energetische Übungsmethode, die viele Menschen für ihre Gesundheit und Wohlbefinden nutzten – und wandte diese als Alternative für seine Beschwerden an. 1994 nahm er an einer Vortragsreihe von Li Hongzhi, dem Gründer von Falun Gong, teil. Zhang wurde von Falun Gongs sanften Übungen und Lehre von Wahrhaftigkeit, der Güte und der Toleranz angezogen.

Nach acht Monaten Training fühlte sich Zhang fit genug, um die lange Reise in den Norden, nach Tsinghua zu machen. Hu Jintao, der damals dem Ständigen Ausschuß des Politbüros angehörte, und seine Frau Liu Yongqing waren ebenfalls bei dem Klassentreffen 1995 anwesend. Als sich alle auf dem Campus versammelt hatten, ermutigte Frau Liu, die Frau von Hu Jintao Herrn Zhang, eine Rede zu halten.

So erzählte Zhang auf der Bühne seine Geschichte und wie sich seine Gesundheit durch das Praktizieren von Falun Gong enorm verbessert hat. Als er fertig war, führte Hu Jintaos Frau den Applaus mit enthusiastischem Klatschen an, so Luo. Später bestand sie darauf, dass Zhang und seine Frau mit Hu und ihr selbst für ein Bild posieren sollten. (Luo Muluan bewahrte die Fotos auf, konnte sie aber nicht mitnehmen, als sie aus China flohen.)

In den folgenden Jahren wurde Zhangs Geschichte in ganz China zur Normalität. Viele erlebten bemerkenswerte Verbesserungen der Gesundheit und des psychischen Wohlbefindens durch Falun Gong, das nach wie vor frei praktiziert werden durfte. Bis 1999 zählte eine staatliche Umfrage 70 Millionen Praktizierender aller Altersgruppen und Berufe, während Falun Gong Quellen sogar oft an die 100 Millionen schätzen.

Aktivismus und Widerstand

Am 25. April 1999 reisten etwa 10.000 Falun Gong-Praktizierende nach Peking, um bei der Zentralregierung für die Freilassung von Praktizierenden einzustehen, die in Tianjin einige Tage zuvor geschlagen und verhaftet worden waren.

Zhu Rongji, der damalige chinesische Premierminister, traf sich mit Vertretern der Praktizierenden und erklärte sich bereit, die Haltung der Partei, bezüglich Qigong neutral zu bleiben, aufrechtzuerhalten. Die Praktizierenden verließen den Ort ruhig, aber nicht bevor sie ihren Müll und die Zigarettenkippen, die von der Polizei zurückgelassen worden waren, zusammengesammelt hatten.

Aber an diesem Abend schrieb der damalige Parteichef Jiang Zemin in einem Brief an die oberste Parteiführung: „Kann es sein, dass wir Mitglieder der Kommunistischen Partei, bewaffnet mit Marxismus, Materialismus und Atheismus, diese Falun Gong Praktizierenden nicht besiegen können?“ Am 20. Juli 1999 ordnete Jiang Zemin die Verfolgung von Falun Gong an.

Zhang Mengye wusste, dass diese Verfolgungskampagne etwas Großes war – „Zhang ist ein Tsinghua-Absolvent; diese sind sensibler für diese Art von Dingen", sagte Luo Muluan. Er beschäftigte sich mit der Aufklärung dessen, was er als Missverständnis des chinesischen Regimes gegenüber jener Praktik empfand, die für seine neu gefundene Gesundheit verantwortlich war.

Zweimal versuchten Zhang und Luo im Juli und Oktober 1999 nach Peking zu reisen, um zu protestieren. Beide Male wurden sie von Sicherheitskräften angehalten und nach Guangdong zurückgeschickt. Zhang leitete später Falun Gong-Praktizierende in Guangdong an, bei den Provinzbehörden eine Petition einzureichen, und versuchte erfolglos, Briefe an den damaligen stellvertretenden chinesischen Führer Hu Jintao zu richten.

Die Sicherheitskräfte in Guangdong wussten, dass Zhang und Hu Jintao ehemalige Klassenkameraden aus Tsinghua waren.

Während Zhangs erstem Versuch, im Juli nach Peking zu reisen, wurden er und andere von Hao Xiaoming, dem Leiter eines lokalen „Büro 610", einer Gestapo-ähnlichen Organisation, die Jiang Zemin zur Verfolgung gegründet hatte, angehalten.

„Alter Zhang, willst du nach Peking fahren, um Hu Jintao zu suchen? Es nützt nichts, Hu Jintao kann dir nicht helfen", sagte Hao, so Luo Muluan.

Münzwurf

Die Verbindung zu hochrangigen Parteifunktionären konnte für Falun Gong-Praktizierende eine gute, aber auch eine schlechte Sache sein.

Wang Youqun, der Berater des ehemaligen parteiinternen Disziplinarchefs Wei Jianxing, war einer der ersten Parteikader, der von seinem Arbeitsplatz und der Partei wegen des Praktizierens von Falun Gong entlassen wurde. Aber für einige Jahre entkam Wang der schlimmsten Verfolgung und durfte in seiner staatlichen Wohnung bleiben.

Wang führt die Privilegien, die er genossen hat, auf die gute Gunst seines ehemaligen Chefs Wei Jianxing zurück, der auch im mächtigen Ständigen Politbüro- Komitee saß. Nach Angaben von Xin Ziling, einem pensionierten Verteidigungsbeamten mit Kanälen zu moderaten Stimmen in der obersten Führungsebene, hatten sich alle Mitglieder des siebenköpfigen Ständigen Komitees außer Jiang Zemin gegen die Verfolgung von Falun Gong ausgesprochen.

Aber Hu Jintao schien nicht in der Lage zu sein, seinen alten Klassenkameraden Zhang Mengye vor der grausamen Verfolgung schützen zu können.

Zhang gehörte zu den ersten Praktizierenden in Guangdong, die inhaftiert wurden, nachdem Jiang Zemin die Provinz besucht und die lokalen Behörden für ihre „schwachen" Unterdrückungsversuche kritisiert hatte. Obwohl er damals 60 Jahre alt war, wurde er für ca. zwei Jahre in ein Arbeitslager gesperrt, so Minghui.org, eine zentrale Anlaufstelle für Informationen über die Verfolgung aus erster Hand. Zhang war bei seiner Entlassung sehr abgemagert und wog nur mehr etwa 38 Kilogramm.

Im vorletzten Monat von Zhangs Tortur wurde Hu Jintao offiziell zum Staatschef des chinesischen Regimes ernannt. Luo Muluan glaubt, dass Jiang Zemin versucht hatte, Zhang knapp vor Hus Amtseinführung zu bestrafen, um eine Exempel zu statuieren: Hu konnte zwar Parteiführer sein, aber er sollte gar nicht daran denken, sich in Jiang Zemins Lieblingsprojekt einzumischen.

Klassenkameraden-Verbindungen

Hu Jintao hatte Zhang Mengye vielleicht nicht helfen können, aber es liegt nicht daran, dass er es nicht versucht hätte, so Luo Muluan.

„Hu Jintao weiß definitiv, wie schlimm die Verfolgung ist, aber er hatte weder die Macht noch die Fähigkeit, sie aufzuhalten", sagte Luo. „Daher schickte er ehemalige Tsinghua Klassenkameraden, um den alten Zhang zu überreden, sich anzupassen und sich bedeckt zu halten." Die Tatsache, dass Zhang überhaupt von seinen ehemaligen Mitstudenten besucht wurde, wurde sowohl von Zhang als auch von Luo dahingehend gedeutet, dass sie mit dem Segen von Hu Jintao gekommen waren. Denn zu dieser Zeit war es so, dass jeder, der als Falun Gong Praktizierender identifiziert wurde, isoliert und bekämpft werden musste.

Ein Klassenkamerad aus Peking besuchte sie 2002 persönlich in Guangdong und erinnerte Zhang daran, dass der frühere Parteiführer Deng Xiaoping dreimal seines Amtes enthoben und wieder in sein Amt eingesetzt worden war. Der Klassenkamerad deutete dann sanft an, dass Zhang mit den Behörden zusammenarbeiten und aufhören solle, Petitionen über Falun Gong einzureichen.

„Warum musst du hartnäckig weitermachen?", fragte der Klassenkamerad aus Peking. In Zukunft könnte es eine Zeit geben, in der Zhang wie Deng „rehabilitiert" werden könnte.

„Das ist unmöglich", sagte Zhang lächelnd. „Was wir machen, ist nicht Politik, sondern Selbstkultivierung! Meine Gesundheit wurde wiederhergestellt; was ist daran falsch? Geh zurück und sag das Hu Jintao."

Mitte 2003 besuchten Zhang und Luo einen ehemaligen Klassenkameraden, der ein hochrangiger lokaler Beamter in Guangdong war. Zhang erzählte seinem Klassenkameraden von der Folter, die er erlitten hatte, und fragte ihn, ob er einen Brief an Hu Jintao weiterleiten könne, in dem er die Vorgänge im Gehirnwäschezentrum schildert.

Aber der Klassenkamerad lehnte ab und sagte zu Zhang, er solle nicht zu einfältig sein. „Wenn er mit den Dingen nicht gut umgeht, wird der gute alte Hu..." Zhangs Klassenkamerad sprach nicht weiter und schob stattdessen seinen Finger an seinem Hals entlang, machte die Geste der Enthauptung.

Verfolgung ist persönlich

Chinesische Sicherheitskräfte und Agenten des „Büro 610“ hielten Zhang Mengye und Luo Muluan schließlich unter strenger Überwachung. Das Paar wurde ab dem Moment verfolgt, in dem sie ihr Haus verließen. Während des Interviews lachte Luo, als sie sich daran erinnerte, wie sie während eines Einkaufs die Hilfe eines Agenten, der sie beschattete, in Anspruch genommen hatte.

Es wurde für das Paar immer schwieriger, eine Bittschrift wegen Falun Gong an Hu Jintao oder das Regime im Allgemeinen zu stellen. Sie machten Pläne zur Flucht und konnten sich im November 2005 ihren Bewachern entziehen und nach Thailand fliehen.

In Thailand schrieb Zhang mehrere offene Briefe an Hu Jintao und leitete andere entflohene Falun Gong-Praktizierende dazu an, eine permanente Mahnwache vor der chinesischen Botschaft einzurichten. Im August 2006 gab Zhang in einem Interview mit der chinesisch-sprachigen Epoch Times seinen Eindruck von Hu Jintao an der Universität wieder.

Einen Monat später wurde Zhang von einem Auto angefahren, das plötzlich aus einer Sackgasse auf einer Nebenstraße auftauchte. Er sollte in ein öffentliches Krankenhaus gebracht werden, aber der Krankenwagen brachte ihn stattdessen in ein privates Krankenhaus.

Obwohl Zhangs Verletzungen nicht lebensbedrohlich waren, bestand der Arzt darauf, ihn zu operieren. Drei Tage später verstarb er. Luo vermutet, dass der lange Arm von Jiang Zemin nach Thailand gelangt war.

Die Erinnerungen an ihn dienen seiner Witwe aber immer noch als Inspiration: „Ich sagte mir, ich sollte die Arbeit meines Mannes weiterführen", sagte Luo. „Aber ich glaube, dass ich noch nicht genug getan habe."

Originaltext:
Epochtimes New York

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