Ein unverhofftes Angebot
 

Ein unverhofftes Angebot

Loushajia trug die Last eines harten Schicksals. Eines Tages jedoch eröffnete ihm ein Fremder eine ganz neue Möglichkeit. Da fasste er sich ein Herz und folgte ihm.

Im Indien des 5. Jahrhunderts gab es einen Jungen namens Loushajia. Er war in seinem früheren Leben ein kultivierender Mönch gewesen, der jedoch selbst im Kloster noch nach Profit und Gewinn trachtete. Aus seinem Neid heraus hatte er einen anderen Mönch betrogen. So wurde er in einer ärmlichen Fischerfamilie wiedergeboren, um seine Schuld abzutragen.

nullDas Bild stammt von Pixabay

In seinem Dorf lebten die Menschen wie eine Familie zusammen. Von dem Tage an, als Loushajias Mutter schwanger wurde, geschahen seltsame Dinge. Tagelang konnten sie keinen Fisch mehr fangen und verarmten. Es folgte noch weiteres und schlimmeres Unheil. Schließlich beschlossen die Leute im Dorf herauszufinden, wessen unglückseliges Schicksal denn diese Schwierigkeiten verursachte. Loushajias Mutter wurde schließlich aus dem Dorf verbannt.

Sie hatte es schwer über die Runden zu kommen und konnte sich nirgends niederlassen. Sie zog mit ihrem kleinen Sohn umher und als er alt genug war, gab sie ihm eine Reisschüssel und sagte zu ihm: „Du armes Kind, geh nun fort. Du bist von nun an auf dich alleine gestellt. Geh und bettle um dein Essen!“ Von seiner Mutter verstoßen, bettelte er um sein Essen und lebte ein leidvolles Leben.

Ein unverhofftes Angebot

Eines Tages geschah es, dass Loushajia die übrig geblieben Reiskörner einer wohlhabenden Familie aufsammelte, als ihn ein Fremder ansprach. Buddha Myna hatte das abgemagerte Kind mit den zerrissenen Kleidern gesehen und fragte es: „Kind, wo lebst Du? Hast du keine Eltern?“ Das Kind antwortete: „Ich bin obdachlos. Meine Mutter sagte mir, dass ich großes Karma habe und unserem Heimatdorf nur Unglück gebracht hätte. Dann verließ sie mich und ich fürchte sie nie wieder zu sehen.“ Buddha Myna fragte ihn dann: „Möchtest du ein Mönch werden?“ „Ich glaube schon“, antwortete Loushajia, „doch wer wird so einen Unglücksknaben wie mich haben wollen?“ „Ich akzeptiere dich“, sprach Buddha Myna. Das Kind war überglücklich und folgte dem Buddha.

Ein Leben als Bettelmönch

Zuerst gab Buddha Myna dem Jungen etwas zu essen und ließ ihn ein Bad nehmen. In den darauf folgenden Tagen und Wochen lernte Loushajia die Lehre und wurde durch das Initiationsritual zum Mönch. Doch sogar unter dem Schutz des Buddhas blieb Loushajia aufgrund seines Karmas verarmt und musste ständig Hunger leiden. Sobald ihm jemand etwas Haferschleim in seine Schüssel füllte, verschwand das bisschen Nahrung sofort. Die Leute bemerkten dieses seltsame Geschehen und wunderten sich darüber.

Als Loushajia den Arhat-Status erreicht hatte, besaß er nur noch wenige Begierden und war zufrieden. Er wollte nicht viel Essen, sondern nur das wenige, das sein Körper brauchte. Als Loushajia kurz davor war, ins Nirvana zu gehen, wollte Buddha Myna ihm eine volle Mahlzeit geben. Die beiden brachen auf und bettelten um Essen in der nahegelegenen Stadt. Da die Menschen Loushajia nichts geben wollten, schickte ihn Buddha Myna zurück. Sobald Loushajia weg war, füllten die Bewohner die Schüssel des Buddhas mit Reis. Diese ließ er Loushajia bringen, doch die damit beauftragte Person aß den Reis selbst.

Als Buddha Myna einige Zeit später eintraf und Loushajia fragte, ob er gegessen habe, wollte dieser nicht sagen, dass ihm nichts gebracht worden war. Doch Buddha Myna wusste sofort was los war. Da die Mittagszeit schon vorbei war, liefen seine Mönche zum Königspalast, um nach Essen für Loushajia zu fragen. Tatsächlich bekamen sie noch eine Schüssel mit feinstem Essen.

Der Buddha sagte: „Loushajia, ich werde die Schüssel halten damit du etwas zu dir nehmen kannst“.

Der Aufstieg

Kurze Zeit danach verließ Loushajia die Welt. Er hatte sein Karma beglichen und kehrte in eine friedliche und glückliche Welt der Weisheit zurück. Buddha Myna sah, wie er seinen gebeutelten Körper verließ. Und Loushajia fühlte sich niemals wieder schwer ums Herz.

Hinweise und Quellenangabe:

1. Buddha: ein Erleuchteter, wie Jesus oder Buddha Shakyamuni

2. Arhat: Fruchtposition (Erleuchtungsgrad) in der buddhistischen Schule.

3. Karma: Sünde, Schuld, eine schwarze, den Menschen vom Göttlichen abtrennende Substanz.

Leiden heißt Karma beseitigen. Das Leid hilft Begierden und Anhaftungen loszulassen. Denn ein Kultivierender möchte den Zyklus der Reinkarnation verlassen und in seine ursprüngliche Welt, aus der er einst auf die Erde kam, zurückkehren. Um das zu erreichen braucht er die Anleitung eines Erleuchteten oder er wird Jünger einer Schule eines Erleuchteten. Die Anleitung zur Kultivierung geschieht über das Lesen der Schriften und das Ausüben der Meditation oder der vom Lehrer übermittelten Körperübungen. Zusammen ergibt dies ein System auf der energetischen Ebene, welches es dem Schüler ermöglicht, sich zu erhöhen. Durch die Erhöhung gelangt der Übende zurück zu seiner ursprünglichen Fruchtposition, von der er einst hinunterstieg.

Der Text wurde gekürzt.

Die Geschichte in voller Länge

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