Seelisches und körperliches Trauma einer jungen Frau – persönlicher Bericht Teil II

Teil I

Ins Zwangsarbeitslager geschickt

2002 wurde ich zu drei Jahren Zwangsarbeitslager Heizuizi in Changchun verurteilt. Dort war ich gezwungen, 16 Stunden täglich und oft bis Mitternacht zu arbeiten. Mein Körper schmerzte sehr.

Essen, duschen oder die Toilette benutzen – die Zeit dafür war auf wenige Minuten begrenzt. Wenn wir nicht rechtzeitig damit fertig wurden, unterbrachen uns die Wärter. Im Winter durften wir uns nur mit kaltem Wasser waschen.

Abgemagert und Herzinsuffizienz nach Gehirnwäsche und Folter

Die ersten Monate im Arbeitslager wurde ich einer intensiven Gehirnwäsche unterzogen. Die Aufseher ließen mich nachts nicht schlafen, zwangen mich aber trotzdem, tagsüber lange zu arbeiten.

In einem vom Arbeitslager geforderten „Gedankenbericht" schrieb ich nieder, wie mir das Praktizieren von Falun Gong geholfen hatte. Daraufhin schlugen mich die Wärter, bis ich grün und blau war. Ich hinkte beim Gehen. Sie schockten mich auch mit elektrischen Schlagstöcken. Diese hinterließen viele Schwellungen und Verbrennungen an meinem Körper. Trotz der enormen Schmerzen zwangen sie mich, weiter zu arbeiten.

Mehrmals protestierte ich gegen die Verfolgung mit Hungerstreiks. Daraufhin wurde ich wieder zwangsernährt. Sie benutzten einen Mundöffner und schütteten Maismehl in meinen Mund. Wenn ich es nicht schluckte, hielten sie meine Nase zu und ließen mich nicht atmen. Manchmal traten mir die Wärter während der Zwangsernährung gegen die Beine. Nach der Folter mußte ich mich oft übergeben und husten.

Bei der Verfolgung von Falun Gong wird die ursprünglich als lebensrettende Maßnahme gedachte Ernährung per Schlauch routinemäßig zur Folterung von Praktizierenden eingesetzt. Viele Praktizierende sind daran gestorben.

Als ich im Arbeitslager war, wog ich bei einer Körpergröße von 1,70 m weniger als 50 kg. Als die Wärter mich zu einer körperlichen Untersuchung brachten, stellten sie fest, dass ich Anzeichen von Herzinsuffizienz hatte und mein Blutdruck extrem niedrig war.

Von da an kontrollierten die Wärter zweimal täglich meinen Blutdruck und zwangen mich, ein unbekanntes Medikament zu nehmen. Wenn ich ablehnte, schockten sie mich mit elektrischen Stöcken.

Alle dort inhaftierten Falun-Gong-Praktizierenden wurden ähnlichen oder sogar noch schwereren Folterungen ausgesetzt. Einige wurden zu Tode gefoltert.

Zwei Jahre später bekam ich ein dauerhaft hohes Fieber, das auch mit Injektionen nicht zu senken war. Ich musste aufhören, schwere Arbeit zu leisten, aber die Wärter folterten mich weiter, indem sie mich zwangen, bewegungslos auf einem sehr kleinen Hocker zu sitzen. Sie schickten mich schließlich zu einer Untersuchung in ein Militärkrankenhaus, wo der Arzt feststellte, dass ich Gallensteine und eine schwere Gallenblasenentzündung hatte.

Aus Angst, dass ich im Arbeitslager sterben würde, gewährten sie mir Haftaussetzung zur medizinischen Behandlung.

Erneut im Gefängnis – Wirbelsäule durch Folter deformiert

Nach meiner Rückkehr nach Hause und nachdem es mir gesundheitlich besser ging, setzte ich meine Bemühungen fort, auf die Verfolung aufmerksam zu machen. Ich wurde erneut der Polizei gemeldet.

Da meine Haft ausgesetzt war, verlangte die Polizei vom Arbeitslager, mich zurückzunehmen, damit ich meine Strafzeit zu Ende bringe. Aber das Arbeitslager weigerte sich.

Ich wurde im Untersuchungsgefängnis Fusong festgehalten. Dann trat ich in einen Hungerstreik und rief: „Falun Dafa ist gut!"

Die Aufseher fesselten mich an ein Bett in einer Spreizadlerposition. Sie führten eine Zwangsernährung durch und ließen danach die Ernährungssonde in meiner Nase stecken. Als sie mich vom Bett losbanden, hatte ich das Bewusstsein verloren und konnte lange Zeit nicht mehr laufen.

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Folternachstellung: mit ausgebreiteten Gliedmaßen an ein Bett gefesselt

 

Die Polizei hat meinen Fall dem Gericht vorgelegt, und ich wurde erneut zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Als sie mich ins Frauengefängnis von Heizuizi in Changchun schickten, habe ich die körperliche Untersuchung nicht bestanden. Die Polizei gab jedoch nicht auf. Sie bestachen den Gefängnisarzt, der schließlich meine Untersuchungsergebnisse manipulierte und mich akzeptierte.

Ich wurde im Gefängniskrankenhaus festgehalten und jeden Tag wurde mir ein unbekanntes Medikament gespritzt. Manchmal gaben sie mir Pillen, welche ich in die Toilette warf.

Sobald sich mein Gesundheitszustand stabilisiert hatte, wurde ich auf die „Umerziehungsstation" im Gefängnis verlegt. Die Wärter unterzogen mich einer Gehirnwäsche und folterten mich, um mich zum Verzicht auf Falun Gong zu zwingen.

Streckfolter

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Folter-Darstellung: Strecken

 

Nachdem die Gefängniswärter festgestellt hatten, dass viele Praktizierende und ich im November 2006 im Gefängnis Falun-Gong-Schriften gelesen hatten, hielten sie einige Praktizierende in Isolationszellen fest und banden ihre vier Gliedmaßen an die Ecken eines Bettrahmens. Der Schmerz war fast unerträglich.

Obwohl wir auf verschiedenen Etagen festgehalten wurden, hörte ich die Schreie der anderen. Auch nachts hörte ich Schreie, wenn die Praktizierenden aus Alpträumen aufwachten.

Tagsüber waren viele ältere Praktizierende und ich gezwungen, lange Zeit mit dem Gesicht zur Wand zu stehen. Wir durften uns nicht bewegen oder miteinander sprechen. Als ich mich schwach fühlte und der Ohnmacht nahe war, gaben mir die Wärter Medikamente und sagten: „Wenn du kein Herzproblem hättest, hätten wir dich auch ans Bett gefesselt."

Unterdessen folterten uns die Wärter weiter, indem sie uns zwangen, auf einem kleinen Hocker zu sitzen und uns einer ständigen Gehirnwäsche zu unterziehen. Diejenigen, die sich der Gehirnwäsche widersetzten, wurden noch schwerer gefoltert.

Als ich 2007 aus dem Gefängnis entlassen wurde, war mein ganzer Körper geschwollen und meine Lendenwirbelsäule war so stark deformiert, dass ich extreme Schmerzen hatte, wenn ich meinen Körper auch nur ein wenig beugte.

Es dauerte lange, bis sich meine Wirbelsäule und meine Beine erholten und ich normal laufen konnte. Aber im Vergleich zu den körperlichen Schäden war das seelische Trauma der Verfolgung noch viel schwerer zu überwinden.

Die Verfolgung verursachte auch für meine Eltern enorme seelische Schmerzen. Meine Großmutter war entsetzt über die Verfolgung und starb unter großem emotionalen Druck.

Zweite Arbeitslager-Inhaftierung

Nachdem sich mein Körper erholt hatte, fand ich einen Job und sprach weiter mit anderen Menschen über die Verfolgung. Da die Polizei mich weiter überwachte, wurde ich wieder verhaftet, und die Polizei beschlagnahmte zum dritten Mal meine Falun-Gong-Bücher.

Diesmal wurde ich zu eineinhalb Jahren verurteilt und im März 2010 ins Zwangsarbeitslager Heizuizi gebracht.

Das Arbeitslager war trotz des eisigen Winters im Nordosten Chinas kaum beheizt. Das Eis blieb den ganzen Winter über an unserer Badezimmerwand und schmolz nie.

Wir waren gezwungen, jeden Tag lange zu arbeiten, um Papiertüten herzustellen. Der Kleber hatte einen starken Geruch. Wir bekamen davon starke Kopfschmerzen.

Nach Ablauf meiner Haftzeit hielt mich das Arbeitslager für weitere 20 Tage fest, bevor ich im September 2011 freigelassen wurde.

Ich begann häufig meinen Aufenthaltsort zu wechseln, um weitere Verhaftungen zu vermeiden. Die Polizei schikanierte auch meine Eltern und versuchte herauszufinden, wo ich war.

Als ich im Juli 2015 nach Hause kam, um meine Eltern zu besuchen, hielt die Polizei meine Mutter für zehn Tage und mich für 20 Tage fest. Sie erzählten meinem Vater, dass ich verhaftet worden war, weil ich gegen Jiang Zemin Strafanzeige erstattet hatte. Jiang, der frühere Vorsitzende der kommunistischen Partei Chinas hat 1999 die Verfolgung von Falun Gong angeordnet.

Chinesische Version

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