Zerstörte Familien: Wie Paare in China von der Verfolgung betroffen sind

Ein oft übersehener Aspekt der Verfolgung der Meditationspraxis Falun Gong (auch bekannt als Falun Dafa) durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ist ihre Auswirkung auf die Familie – vor allem, wie sie sich in Ehen einmischt. In einigen Fällen zwingen chinesische Beamte Ehepartner von Falun-Gong-Praktizierenden, sich von ihnen scheiden zu lassen; außerdem üben Arbeitgeber Druck aus, so dass sich die Angestellten von denen scheiden lassen sollen, die sich weigern, ihre Überzeugungen aufzugeben; manchmal verhindern Gerichte sogar, dass Falun-Gong-Praktizierende heiraten, indem sie ihre Ehelizenzen ganz aufheben.

Hier sind drei Paare und ihre tragischen Geschichten unter der Verfolgung:

Pan Qi musste 10 Jahre auf den inhaftierten Verlobten warten

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Pan Qi mit Robert J. Rodriguez, einem der vielen Unterstützer, die Herrn Tian Yunhai aus dem Gefängnis gerettet haben (mit freundlicher Genehmigung von Pan Qi).

 

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Tian Yunhai war mehr als 10 Jahre illegal in China inhaftiert, weil er Falun Gong praktiziert hat (mit freundlicher Genehmigung von Pan Qi).

 

Pan Qi und Tian Yunhai trafen sich durch ihre lokale Falun Gong Übungsgruppe, bevor die Verfolgung am 20. Juli 1999 begann. Sowohl Pan Qi als auch Tian Yunhai wurden 2005 verhaftet. Die Behörden identifizierten Tian wahrscheinlich als den Anführer der Übungsgruppe, da sie ihn zu 10 Jahren Gefängnis verurteilten, was eine viel längere Gefängnisstrafe war als die aller anderen.

Pan sah Tian zuletzt 2006, als sie ihn im Gefängnis von Panjin besuchte. „Wir haben uns oft bei den Falun Gong Aktivitäten getroffen, aber zu dieser Zeit waren wir noch nicht offiziell zusammen. Weil das Gefängnis nur unmittelbare Familienangehörige als Besucher zuließ, nannten wir uns ein Paar.“

Dieser Besuch war das letzte Mal, dass sie Tian sehen durfte. Damals war er vier Monate in einen Hungerstreik getreten, um gegen die Folter zu protestieren, die ihm die Gefängniswärter auferlegten.

„Er wurde festgehalten, gezogen und dann von zwei Leuten getragen, um mich zu sehen. Er war sehr blass“, sagte Pan. „Ich konnte ihm nur sagen, dass ich ihn unterstütze, dass ich um seine Freilassung bitten werde und dass ich auf ihn warte, zu dem er nur nickte.“ Später erfuhr Pan, dass Tian während dieser Zeit immer noch von elektrischen Schlagstöcken geschockt, zwangsernährt und über fünfzig Tage lang an eine „Tigerbank“ geschnallt wurde. Tians Hungerstreik dauerte acht Monate.

Auch Pan stand unter zunehmendem Druck und Gefahr und fand schließlich Asyl in Thailand. Später zog sie nach New York, wo sie die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hat.

„Allein bin ich nicht sehr stark“, gesteht Pan. „Manchmal fühlte ich mich einsam. Andere Male hat mich meine Familie gedrängt einen anderen Mann zu finden. Sie sagten, die Tatsache, dass ich um Tians Freilassung bat, sei genug für ihn, aber mein Herz war nicht bewegt. Ich hatte versprochen auf ihn zu warten. Ich fühlte, dass ich das tun sollte. Alle hielten mich für verrückt so lange zu warten.“

Seit der Flucht vor der Verfolgung in China nutzte Pan ihre Freizeit, um sich gegen die Inhaftierung ihres Verlobten einzusetzen. Durch ihre Bemühungen und die Hilfe der Falun-Gong-Praktizierenden in New York intervenierten 15 Mitglieder der New Yorker Staatsversammlung gewissenhaft, indem sie Briefe an fünf chinesische Beamte, darunter Präsident Xi, schrieben und sie unter Druck setzten, Tian freizulassen.

Durch die ehrenvollen Aktionen der New Yorker Staatsbeamten und Pans eigene Beharrlichkeit wurde Tian am 30. Juni 2015 freigelassen. Obwohl Pan nicht nach China zurückkehren kann, hofft sie, Tian bald zu sehen und sagt: „Wir bemühen uns, dass Tian in die Staaten kommen kann. Er stellt sich auf das Leben außerhalb des Gefängnisses ein und erholt sich immer noch von den gesundheitlichen Komplikationen der Folter, aber wir können manchmal telefonieren, und es ist schön.“

Die Verfolgung stellt das neue Leben des Paares auf den Kopf

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Winston Liu und seine Frau bevor die Verfolgung sie auseinander riss. Winston begann 1998, Falun Dafa zu praktizieren, während er an der Tsinghua Universität studierte.

„Falun Gong half, die innere Leere zu füllen, die in meinem Herzen geblieben war, als das chinesische Regime die traditionellen kulturellen Werte Chinas völlig zerstörte. Ich erreichte eine bessere Gesundheit und einen Zustand des inneren Friedens.“

„Als ich im Juni 1999 heiratete, fühlte ich mich richtig glücklich. Meine Frau war auch Studentin an meiner Universität und Falun-Gong-Praktizierende. In diesem zufriedenen Moment meines Lebens widmete ich meine Zeit meiner Forschung und meiner Familie.“

Aber ihr glückliches junges Leben dauerte nicht lange an. Im nächsten Monat, am 20. Juli 1999, startete das chinesische kommunistische Regime seine Kampagne zur Ausrottung von Falun Gong.

In den nächsten Jahren wurde Winston viermal festgenommen. Chinesische Beamte suspendierten ihn im September 1999 von seinem Studium, weil er keine Aussage über Falun Gong unterschreiben wollte. Sie versuchten auch, seine Eltern als Druckmittel zu benutzen und zwangen sie, bei ihm in schlechten Unterkünften zu bleiben. Danach wurde Winston ein unverblümter Kritiker der Verfolgung von Falun Gong durch die KPCh.

„Am Neujahrstag 2001 brachen Polizisten am frühen Morgen in mein Haus ein, verhafteten meine Frau und mich und sperrten uns in ein Gefangenenlager, um auf den Prozess zu warten. Nach fast einem Jahr Haft wurden wirs beschuldigt, Informationen über Falun Gong aus dem Internet heruntergeladen und verbreitet zu haben, Falun Gong-Banner aufgehängt zu haben und so weiter. Am Ende des Prozesses wurde meine Frau zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt und ich zu 3. Sie verbrachte 10 Jahre im Frauengefängnis von Peking.“

Während seiner Haft verbrachte er sechs Monate in Einzelhaft und war gezwungen, Hasspropaganda gegen Falun Gong anzuschauen. Gegen Ende seiner Haftzeit war er am Rande des geistigen Zusammenbruchs und unterschrieb die bösen Aussagen gegen Falun Gong und dass er Falun Gong nicht mehr praktizieren würde. Obwohl er im August 2003 entlassen wurde und wieder zur Uni gehen durfte, überwachte ihn die Polizei weiter.

Um nicht wieder inhaftiert zu werden, suchte er nach einer Möglichkeit, nach Übersee zu gehen. Schließlich erhielt er 2005 ein Stipendium an der Universität von Calgary. In Kanada versuchte Winston sein Bestes, um seine Frau aus dem Gefängnis zu holen.

Erst Ende 2010, nach 10 Jahren Haft, erlangte sie die Freiheit. Doch die Kommunistische Partei Chinas würde ihr drei Jahre lang keinen Pass ausstellen, weil sie befürchtete, dass sie das, was mit ihr geschehen war, aufdecken würde. Im Jahr 2014 gab sie die Hoffnung auf, dass sie jemals zusammenleben können, und reichte die Scheidung ein. Obwohl sie 15 Jahre verheiratet waren, war die Zeit, die sie zusammen verbrachten, weniger als ein Jahr.

Ehepaar trifft sich nach zwei Jahren wieder

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Als Jinyu zusah, wie die Polizei ihren Mann im Polizeiauto mitnahm, wusste sie nicht, dass es zwei Jahre dauern würde, bis sie ihn wieder sehen würde.

Jinyu lernte Falun Gong erstmals 1997 in Montreal kennen. Sechs Monate später zog sie zurück nach Shanghai und schloss sich einer lokalen Falun Dafa-Übungsgruppe an. In dieser Lesegruppe lernte Jinyu 1998 ihren zukünftigen Ehemann Shenli Lin kennen. „Er sagte nicht viel, aber er hatte immer ein wunderbares Lächeln im Gesicht.“ Ihre Beziehung entwickelte sich schnell und Anfang 1999 heirateten sie. „Viele Familienmitglieder und Freunde waren unter den zahlreichen Gästen. Es war wunderbar“, erinnert sich Jinyu.

Bald darauf beschlossen die Neuvermählten, dass sie sich in Kanada ein Leben aufbauen wollten. Jinyu kehrte nach Kanada zurück, um mit den Vorbereitungen für ihren Umzug zu beginnen, während Shenli in China blieb. Shenli war ein sehr aktiver Freiwilliger in der Falun Dafa Gemeinschaft in Shanghai und viele Leute kannten ihn. Doch dann begann die Verfolgung. Die Polizei hat Shenli jeden Tag für etwa 10 Stunden verhört. Er musste aufhören zu arbeiten und sich auf seine Ersparnisse verlassen, um zu überleben. Etwa eineinhalb Monate später kehrte Jinyu nach China zurück, um bei ihrem Mann zu sein.

Sie kam an, um festzustellen, dass ihr Mann jeden Tag von 10 bis 20 Uhr zum Verhör weggebracht wurde. Jinyu wurde überallhin verfolgt. Kurz nach ihrer Ankunft wurden sie und Shenli unter Hausarrest gestellt. Die beiden beschlossen, der ungerechten Ordnung nicht zu gehorchen und gingen ihr Leben wie gewohnt weiter. Doch überall, wo sie hinkamen, folgte die Polizei.

Das Ehepaar beschloss, Pekings nationales Berufungsbüro zu besuchen, wo sie die Regierung aufforderten, die Verfolgung von Falun Gong einzustellen. In dieser Nacht wurden sie an einen anderen Ort in Peking und schließlich zurück nach Shanghai gebracht.

Da Jinyu kanadische Staatsbürgerin ist, bekam sie 48 Stunden Zeit, um das Land zu verlassen, aber Shenli wurde nicht aus der Haft entlassen. An diesem Abend ging sie ins Gefängnis, um Shenli saubere Kleider zu bringen, aber sie weigerten sich, sie zu akzeptieren. Keiner von ihnen konnte damals erahnen, dass es zwei Jahre dauern würde, bis sie sich wieder sehen würden.

Als Jinyu in Kanada ankam, rief sie unermüdlich zu seiner Freilassung auf, indem sie Briefe an Mitglieder der kanadischen Regierung schrieb und zahlreiche weitere Bemühungen unternahm, das Bewusstsein für die Verfolgung von Falun Gong in China und die Situation Shenlis zu schärfen.

Im Februar 2002 wurde Shenli schließlich auf internationalen Druck hin freigelassen. Am Flughafen von Montreal, Dorval, verließ er den Aufzug und umarmte seine Frau zum ersten Mal seit zwei Jahren, dann wandte er sich an die kanadischen Medien:

„Zuerst möchte ich der kanadischen Regierung und den Menschen für ihre Hilfe bei meiner Rettung danken. Ich hoffe, Sie setzen Ihre Bemühungen zur Beendigung der Verfolgung in China fort.“

Trotz zwei Jahren Folter bedauert Shenli seine Bemühungen, die Verfolgung aufzudecken, nicht. Obwohl er und Jinyu glücklich wieder vereint sind, hat er die vielen Falun Gong Praktizierenden nicht vergessen, die immer noch von ihren Familien getrennt sind.

„Bitte vergessen Sie nicht alle Falun Dafa-Praktizierenden, die in China noch immer brutalst verfolgt werden. Bitte zeigen Sie Ihre Unterstützung und helfen Sie, diese bösartige Verfolgung bald zu beenden! Danke.“

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